Bitte erinnern Sie sich bei der Aneignung immer daran, dass wir hier keine Ansicht eines menschlichen Kopfes zeichnen, sondern eigentlich eine Art "Schauanleitung" oder "Wanderkarte" für die Augen, die uns beim Anblick eines realen Menschen dabei helfen soll, unseren Blick zu organisieren und uns Dinge im Zusammenhang zeigt, die wir spontan gerne in Einzelheiten aufzulösen geneigt sind (da sie ja auch im Einzelnen so faszinierend sind und oft die volle Aufmerksamkeit verlangen...).
So gesehen, handelt es sich um ein Wahrnehmungskonzept (Danke Gudrun für das Wort), das uns in den nächsten Wochen beim Studium der Realität behilflich sein kann.
Ich möchte Sie bitten, sich diese Zusammenhänge wieder und wieder skribbelnd anzueignen. Mir geht es nicht darum, dass Sie diese Ansicht perfekt und maschinenbauartig re-konstruieren können, sondern dass Sie sich das Zusammenspiel der Einzelheiten eher spielerisch aneignen, auch mit allen Verschiebungen, die das ungenaue und improvisierende Zeichnen mit sich bringt.
Schrittt für Schritt:
1. Ermitteln Sie eine Ausgangsbreite am Besten an Ihrem eigenen Kopf, indem Sie (vorerst nur ungefähr) die breiteste Stelle an Ihrem Kopf mit Daumen und Ringfinger einer Hand messen. Die breiteste Stelle am Kopf ist unterhalb des Scheitels etwas weiter hinten, wo Scheitel- und Schläfenbein zusammentreffen.
Diese Breite ist vorerst unser Ausgangsmass.
TIP: Um eine annähernd originalgrosse Zeichnung eines Kopfes auf dem Zeichenblatt anzulegen und gleich die immer problematische 5Teilung der Brauenlinie aufs Einfachste anzulegen, lege ich die Breite von vornherein gerne mit 5 mal nebeneinander gelegten Daumenbreiten (am Mittelglied ca. 2,5 cm) an. Aus diesem ungefähren Breitenmass entwickle ich das Ausgangsquadrat.
2. Zeichnen Sie ein Quadrat mit dem oben ermittelten Maß.
3. Halbieren Sie das Quadrat vertikal und horizontal. Die vertikale Mittelachse verlängern Sie bitte gleich nach oben und unten über das Quadrat hinaus.
Sie erhalten so die Höhe des (idealen) Schädels, wobei das Verhältnis von Höhe zu Breite im sog.Goldenen Schnitt (1 : 1,6....) steht.
Dieses Grundverhältnis von Höhe zu Breite wird vorerst unser Ausgangsmass beim Zeichnen von Frontalansichten.
Hinweis: Das ist natürlich nur ein gedachtes und ziemlich klassisches Konstrukt, das mit der Realität nur ungefähr - aber auffallend angenehm! und darum geht es - übereinstimmt.
1) Halbieren Sie die soeben ermittelte Gesamthöhe des Kopfes horizontal. Sie erhalten recht genau auf dieser horizontalen Mittelachse die Linie für die Platzierung der Pupillen.
2) Markieren Sie sich leicht die Oberkante des zuerst gezeichneten Quadrats. Diese Linie ist die sog. Brauenlinie, die für das Portraitzeichnen von besonderer Bedeutung ist.
3) Im Zentrum des Quadrats liegt der untere Nasenansatz. Diese Linie gilt es auch zu markieren. In der nächsten Stunde erfahren Sie, warum.
Voila! Wir haben haben eine Frontalansicht mit den Markierungen für Scheitel und Kinn, die maximale Breite, eine vertikale Mittelachse und eine horizontale Mitte, auf der irgendwann mal Augen platziert werden und wir ahnen schon die Brauen und den Nasenansatz - das genügt vorerst für unsere ersten Übungen.
Auf der Augenlinie, auf der später die Pupillen aufliegen werden, markieren Sie die äusseren Augenwinkel, die leicht weiter oben zur Brauenlinie hin liegen. Wenn Sie äußere und innere Augenwinkel mit einer gedachten Linie verbinden, erhalten Sie so eine leichte Schräge, bei der die inneren Augenwinkel auf der Augenlinie aufliegen!.
Die Strecke der gedachten Linie der äusseren Augenwinkel schlagen Sie radial nach unten auf die Mittelachse und erhalten dabei ein gleichseitiges Dreieck, das man ein "Goldenes Dreieck" nennt, an dessen unterer Spitze der tiefste Punkt des Unterlippenbogens liegt.
Eine Linie, die Sie von den äusseren Augenwinkeln durch diesen Nasenbreitenpunkt auf die Mittelachse ziehen, sollte den sog. Amorbogen ermitteln, über dem das Philtrum liegt.
Zwischen diesen zugegebenermassen nahe beieinanderliegenden Punkten, spielt sich der Mund ab, der dazwischen seine mehr oder da und dort auch gerne weniger notwendige (!) Öffnung hat.
Halbieren Sie die Strecke zwischen inneren und äusseren Augenwinkeln, um das Pupillenzentrum zu erhalten und zu markieren, zeichnen Sie aber bitte kein Augenrund - lassen Sie bitte vorläufig generell alle diese Einzelheiten aus den geschilderten Gründen weg (wg. Sog der symbolischen Formen und Fixierungen).
Die erhaltenen Augenzentren fällen Sie lotrecht auf die Linie, mit der Sie die Mundöffnung markieren und erhalten so die Mundwinkel. Die Markierung ist nur vorläufig und ungefähr, wir werden das später noch präzisieren, vorläufig genügt es zu wissen, dass wir hier die maximalen Abstände der Mundwinkel finden.
Auf die Kinnlinie projeziert erhalten Sie die maximale Kinnbreite, die ich Sie bitte nur mit Geraden anzudeuten, um die Knicke deutlich werden zu lassen (was in der Natur selten der Fall ist...).
Wenn Sie nun den Scheitelpunkt des Kopfes mit der linken und rechten unteren Quadratecke verbinden, erhalten Sie ein Dreieck, dessen Schenkel die verlängerte Mundöffnungslinie schneiden und das sog. gonion markieren. Hier finden Sie die maximale Breite des Kiefers und den Kieferknick, der im Laufe der nächsten Wochen noch wichtig wird.
Beachten Sie, dass dieser Punkt auf der gedachten Linie der Mundöffnung liegt, wenn der Kopf gerade gehalten wird.
Die Halbkugel des Schädels (cranium) zeichnen wir vorerst nur schematisch und so, dass wir das auf dem Quadrat aufliegende Rechteck im unteren Drittel und am Schitelpunkt auch mit leicht ausserhalb liegenden Markierungen versehen. Die Bögen ziehen Sie von der rechten und linken oberen Ecke des Quadrats aus durch die Markierungspunkte zum Scheitelpunkt so, dass die Schädeldecke (cranium) leicht grösser als das Rechteck ist.
Markieren Sie die Mitten der oberen Quadrathälften links und rechts und verbinden diese mit der gerade gezeichneten Schädeldecke. Eine leichte Schräge links und rechts (gedachter Zielpunkt sind jeweils die Mundwinkel) schneidet die Verlängerung der Kinnlinie vom gonion aus.
In der nächsten Stunde zeige ich Ihnen eine zusätzliche Methode, die Lage der Wangenknochen annähernd zu bestimmen.
Voila. Soweit die erste Annäherung an das menschliche Gesicht. Mir ist klar, dass das erst ein paarmal geübt werden muss, bevor wir an weitere Details gehen. D.h. die nächste Stunde werden wir überwiegend mit Sehübungen und der Auseinandersetzung mit dem gerade vorgestellten Wahrnehmungskonzept verbringen.














Test, ob es jetzt endlich funktioniert...geht?
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