Vorläufig reicht es uns zu sehen und zu beobachten, was am Menschenkörper überhaupt und in welchem Umfang beweglich ist und wie es aussieht, wenn sich etwas verändert. Also: Wie es der Körper anstellt, aus der scheinbar mühelosen reinen Standposition in eine irgendwie sich anbahnende Bewegung zu geraten. Klingt banal, ist es an sich auch im Alltag, ist aber absolut und entwicklungsgeschichtlich betrachtet ein aussergewöhnlicher Vorgang, dessen Programm bis heute kaum rekonstruierbar ist und technisch bislang nur wenig überzeugend simuliert werden kann, bei aller Anstrengung von KI oder AI...(Künstliche Intelligenz oder Artificial Intelligence).
Dem Zeichner aber sollte es zu denken geben. Jede Pose jedes Menschen zu jedem Zeitpunkt ist eine hochkomplexe Lösung der Aufgabe, gegeneinander in Grenzen bewegliche Gewichte ausbalanciert durch einen Raum zu bringen.
Phantastischer Alltag...
In der Stunde ging es darum, auf einfachste Weise mit "Strichmännchen" die beobachteten Standposen rein linear zu erfassen.
Eine gute Vorbereitung für eine solche Zeichnung ist es, die jeweilige Pose für sich mit dem eigenen Körper nachzustellen und sich dann vorzustellen, wie man die betreffende Haltung einem Anderen mit Zeichensprache, Gesten beschreiben würde. Diese Hauptrichtungen der Bewegungen sollte man dann schnell und nur mit einer Linie auf das Blatt zeichnen. Im Mittelpunkt der Beobachtung standen vorerst nur die Achsen der Schulter und des Beckenkamms, die wir am Modell mit Klebeband markierten.
Es stellte sich heraus, dass das offenbar schwerer ist als angenommen...
Im ersten Schritt geht es um etwas so einfaches, dass uns unser permanenter Analysezwang wieder einmal massiv und vor allem hinderlich in die Parade fährt. Die Hauptgestalt, die Art, wie der Körper als Ganzes vor Augen steht und sich irgendwie streckt, beugt, duckt, bückt, brückt ist eine "Geste im Raum" und auch nur so erst einmal zu erfassen. Man macht sich hier das Zeichnerleben nur unnötig schwer, wenn man krampfhaft nach Achsen, Meßpunkten, Grössen usw. schaut.
Vor der Analyse muss also erst einmal eine irgendwie gemachte Erfahrung stehen. Diese Erfahrung können wir in uns selbst herstellen und damit eine empathische Verbindung mit dem Modell eingehen, die uns das Verstehen erleichtert.
Es geht als erstes also nur um den Eindruck als Ganzes: Was tut das Modell?
Erst im zweiten Schritt vollzieht der Zeichner eine erste Abstraktion, indem er nach der Richtung der "Hauptbauteile" schaut - dabei aber extrem vereinfacht, indem er für Rumpf, Kopf, Arme und Beine nur eine Kernlinie setzt.
Jetzt erst wird der Blick auf die Richtung und Neigung der gedachten Achsen von Schulter und Becken wichtig, da diese uns einen Hinweis geben, wohin Gewichte neigen und Kräfte gehen, um Balance zu halten oder Bewegung anzugehen.
Der VORLAGENPOOL dient als Hilfe und Anregung für diejenigen, die sich während des Urlaubs auf eigene Faust (ich vermeide das nervende Ü-Wort, wie ihr merkt...) noch einmal mit unseren bisher erarbeiteten Beobachtungen auseinandersetzen wollen:






































