Montag, 24. Oktober 2011

Notan I - 10.10.11

In dieser ersten Stunde des Schwerpunktes 1 ging es um ein einfaches und wie ich finde effektives Werkzeug, mit dessen Hilfe sehr schnell Kompositionsideen für jedes beliebige Genre oder Thema auf ihre Stimmigkeit hin überprüft werden können.

Diese Methode wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem amerikanischen Maler, Grafiker und Fotografen namens John Wesley Dow (Ipswich, MA) entwickelt und gelehrt. Der seltsame Name NOTAN geht auf einen in der japanischen Tuschzeichnung angestrebten Harmonie- und Balancebegriff des Ineinandergreifens von Hell und Dunkel, Schwarz und Weiss zurück, der eigentlich nichts weiter als Schwarz/Weiss bedeutet, aber durchaus ein tieferes Konzept von Raum, Harmonie und Grössenverhältnissen meint.
Für unsere Zwecke reicht vorläufig dieses grobe Vorwissen. Wir reduzieren diese Methode ohnehin auf das Allereinfachste.

Wie ich Ihnen bereits im ersten Semester vorstellte, begnügt man sich hier bei der konzipierenden Suche nach einem Zeichen- oder Malmotiv auf die allereinfachsten Elemente der Komposition, die man auf recht kleiner Fläche ( 3 x 4 cm maximal!) mit einem Satz von schwarzen und später auch grauen Stiften oder Filzschreibern möglichst vereinfacht und nicht an dem komplexen Umriss orientiert als Flecken so in der Zeichenfläche verteilt, dass sie einen "Gesamtklang" der Anlage vor Augen stellen.

Mit unscharf gestelltem Blick erfassen Sie dabei nur die sog. Massen des Gegenstands oder der beobachteten Szene und notieren so recht einfach und schnell etliche Varianten, die einen interessanten Anblick, eine gewisse attraktive Spannung oder eine harmonische Aufteilung von bezeichneten und leeren Stellen ergeben.

Sie haben auf diese Weise ein Kompositionswerkzeug an der Hand, mit dem sie schnell erkennen können, ob eine Bildaufteilung "stimmt" oder nicht.
Da Sie sehr kleine Arbeiten erstellen, haben Sie so in kurzer Zeit die Möglichkeit, etliche Konstellationen auszuprobieren und die beste dann skribbelnd und skizzieren, d.h. detaillierend weiterzuentwickeln.

(Bilder folgen)


Warmups (Blei, Graphit, Kohle, Kreide, egal, Hauptsache schwarz):

Unsere üblichen Warmzeichenübungen beginnen sehr sehr simpel mit der Aufgabe, ein zuvor durch 4 Striche eingefasstes Zeichenfeld mit allen Stricharten zu füllen, die der Körper, die Hand und der Geist hergibt.

1. Höhere Wesen befehlen, das Blatt komplett vollzukritzeln.
2. Gleich nochmal, diesmal aber leeren Raum lassen, egal wo.
3. Und nochmal, diesmal mit Figur auf Grund und umgekehrt (negativer Raum)


Übungen des Abends (Schwarzer Filzstift, breit, kleine Zeichenfelder):

2-Wertige Notans, also schwarz-weiss

Nach dem Beispiel Dauchers Seiten 24ff gilt es, nach Vorlagen bewährter Könner der Komposition wie Rembrandt, Picasso, Kline, kleine Flächen mit schwarzen Flecken analog zur Komposition auf einer Bildvorlage nachzukritzeln. Abbildungen von Kalenderblättern oder Bildbänden sind gute Ausgangspunkte.
Reduzieren Sie das Gesehene auf die möglichst allereinfachsten Elemente, kneifen Sie dazu das eine Auge zu und schauen Sie durch das andere so, dass Sie gerade noch erkennen, was dargestellt ist. Optimal wäre, wenn Sie dabei nur die Spannung der Hauptelemente in Hell und Dunkel wahrnehmen.

Mit einem groben schwarzen Filzstift halten Sie nur die Lage und Grösse der Hauptmassen des Bildes fest.

Ob Sie es nun glauben oder nicht, hier entscheidet sich, ob ein Bild, gleich, was und wie es darstellt, ein Hingucker oder langweilig ist. Diese Erfahrung sollte am Anfang all Ihrer Gestaltungsbemühungen stehen. Und soll ihr erster Schritt zur Entwicklung eigener Kompositionenwerden.

(Bilder folgen)

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