Montag, 24. Oktober 2011

Notan II - 17. und 18. 10.2011

Nachdem wir uns vergangene Woche mit der "Essenz" einer zeichnerischen oder malerischen Gestaltung in Form sog. 2-wertiger Notans beschäftigten, nähern wir uns dem gleichen Phänomen nun mit 3 Werten, die wir versuchen, auf einer Zeichenfläche in eine Balance bringen.
Wir arbeiten also mit den Polen Schwarz und Weiss auf einer mittelgrauen Fläche, in einem weiteren Schritt setzen Sie 3 autonome und unterscheidbare Helligkeitswerte, die stellvertretend für Massen von Farben eines Gemäldes oder die Grauwerte einer Zeichnung stehen.

Warum nur habe ich Sie im vergangenen Semester und nun schon wieder geradezu zwanghaft immer erst einen Rahmen für jede neu entstehende Zeichnung anlegen lassen, ohne es genauer zu erklären???

Im folgenden Exkurs über "Formate" erhalten Sie eine mögliche Antwort.

Format:

In der Regel nimmt sich der Zeichner, was gerade rumliegt und fort muss...

In fast allen Fällen wird es ein sog. DIN-Bogen Papiers sein und normalerweise denkt man sich auch dabei nicht allzu viel.
Bis man erkennt, dass die Wahl eines Formats, dessen Grössenverhältniss von Länge zu Breite und die Entscheidung einer Ausrichtung - ob Hoch- oder Querformat - eine ziemliche Bedeutung für die Anlage einer Zeichnung hat.

Spielen Sie es selbst durch, indem sie eine "Stehende" auf Querformat platzieren oder eine Landschaft in ein Hochformat bringen - Sie werden davon bestimmt und entscheiden sich sofort für jeweils andere Aspekte des Motivs.

Ich habe beobachtet, dass man als Anfänger in der Regel darauf kaum achtet. Dabei haben Sie mit den 4 Seiten eines Blattes schon die ersten entscheidenden Elemente der Zeichnung gesetzt.
Das zu Bewusstsein zu bringen, ist das Ziel des notorischen Rahmenzeichnens.
Ich bitte Sie, das also noch solange beizubehalten, bis Sie sicher, bewusst und virtuos das Format eines Blattes einsetzen.

Ich habe Ihnen kurz demonstriert, welche geometrischen und mathematischen Verhältnisse am Industrieprodukt DIN A 4 - Blatt, einem antiquierten Oktavblatt ( dessen Massverhältnisse noch heute das amerikanische Druckpapier bestimmt) und einem Bogen, der dem Goldenen Schnitt folgt, herrschen.
Die Unterschiede sind in einigen Fällen nur scheinbar unbedeutend, aber dennoch spürbar, in anderen Fällen gravierend.

Sie haben als Zeichner mit Bewusstsein die volle Wahl. In der Regel allerdings verfährt man so, dass man wie oben gesagt, nimmt, was rumliegt. Jetzt aber auf höherem Niveau.

(Bilder der Konstruktion eines A4-, Oktav- und Goldener Schnitt - Formats aus einem gegebenen Breitenmass folgen noch)


In einem weiteren Bewusstwerdungsschritt habe ich Ihnen vorgeführt, dass es, gleichgültig, für welches Höhe:Breite-Verhältnis des Papiers Sie sich auch entschieden haben, sog. "Hot Spots" oder markante Kompositions- und Gestaltungspunkte auf einem Zeichenblatt gibt, die vom Zeichner bei der Platzierung der Zeichengegenstände mehr oder weniger bewusst eingesetzt werden.
Claude Lorrain beispielsweise, Landschaftsmaler und -zeichner des Barock, hat grundsätzlich immer bei der Anlage auch der komplexesten Komposition, zunächst stur ein Raster in 3 Zonen horizontal und vertikal angelegt und tatsächlich recht genau entlang der Schnittpunkte seine Hauptelemente gesetzt - auch wenn man dies dem fertigen Gemälde am Ende nicht ansieht.

Zu Beginn bitte ich Sie, sich durchaus stur und auffällig diese markanten Punkte zu konstruieren und ihre Kompositionen daran zu orientieren. Also erst Regel erkennen und anwenden - dann aber wieder Freiheit finden.
D.h. gewöhnen Sie sich allmählich daran, dass der kreative Prozess aus einem Dialog regelbestätigender und regelbrechender Proceduren besteht, Ordnung und Zerstörung in Wechselwirkung.

Ich habe Ihnen zunächst 2 einfache Formen der Aufteilung demonstriert:

- Die Konstruktion über fortgesetzte Halbierungen (es entsteht ein symmetrischer 4er Rhythmus)
- Die Drittelregel, die ein vereinfachter Goldener Schnitt darstellt, bei dem Höhe und Breite eines Zeichenformsts in 3 gleiche Teile geteilt werden und die Schnittpunkte verschobene und dadurch dynamischere Zentren bilden können. (Auch in der Fotografie gern genommen: Rule of the Thirds, wer dazu mehr wissen möchte, sollte diesen Begriff. bei wikipedia eingeben.)

(Bilder folgen)


Warmups mit Blei, Grafit, Kohle:

Mehrere Kritzeleien um die Hot Spots. Alle Rhythmen ausprobieren, grosse gegen kleine Flecken, statische und dynamische Aufteilungen sehen lernen. 1 - 3 Objekte/Flecken gegeneinander.

Geometrische Blattaufteilung. Binnenaufteilung des Blattes. Mondrian on Steroids...


Übung des Abends:

Mit Hilfe eines verschiebbaren Sucherrahmens und ausgerissenen Formen aus dunklem Papier legen Sie sich mit 1 bis 3 Formen plausible Kompositionen innerhalb eines variierten Formats und Zeichnen die besten Ergebnisse als NOTAN mit schwarzem und grauem Filzstift.
Diese Notans werden Grundlage für eine grösserformatige erste Komposition (gegenständlich oder frei) auf mind. A4 oder einem anderen Format ähnlicher Grösse.

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