Montag, 30. Januar 2012

Teil 2 - 7.Std Federzeichnen/Landschaft - Raum II - 23.u.24.1.12

Zu Beginn der letzten Stunde wurde erläutert, dass es im Rahmen von wenigen Stunden lediglich möglich ist, Grundprinzipien der Beobachtung von Landschaft zu streifen. Selbstverständlich sind diese Beobachtungen  in die tägliche Zeichenpraxis erst mühsam zu integrieren. Haben Sie Geduld mit sich, denn manches davon erschliesst sich erst mit Übung und Anwendung, manches ist für den einen wichtig, für den anderen nebensächlich.

Gerne möchte ich Sie weiterhin daran erinnern, dass grundsätzlich alles, was ich Ihnen vorstelle, zwar zu den Grundlagen und in Teilen zur Tradition des Zeichenmetiers gehört, aber ich bitte Sie nicht zu vergessen, dass Sie das auf keinen Fall zu eben dieser Tradition verpflichten soll. Im Gegenteil.
Nach meiner Erfahrung  ist es allerdings eine gute Idee, sich die Grundlagen und Traditionen anzueignen und dabei kritisch zu bedenken. Hernach aber sollten Sie im Laufe der zunehmend selbstgesteuerten Entwicklung prüfen, was Sie davon für das eigene Zeichnen überhaupt brauchen.

Die wesentliche Frage, was Sie im Grunde mit Ihrer Zeichnung aussagen und für sich selbst erreichen wollen, kann ich Ihnen nur stellen - beantworten müssen Sie sich diese Frage nur selbst.


Ich hoffe, ich konnte Sie im Laufe des 2.Teils davon überzeugen, wie sehr das Zeichnen eine Denkhilfe und ein Werkzeug zur Auseinandersetzung mit der Innen- und Aussenwelt darstellen kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt des 2.Teils war die Auseinandersetzung mit einem am Anfang (für die meisten bestimmt) "widerborstigen" Werkzeug: Federn aller Art, Rohrfeder, Stahlfeder und Pinsel für die sog. Lavage.
Mein Ziel hierbei war es, zum einen die Bestimmtheit der Linie bewusst zu machen, da eine in Tusche gesetzte Linie zunächst erschreckend irreversibel da steht und man mit dem Ergebnis leben muss oder das Blatt gleich wegwirft...
Zum andern lernt man mit diesem geradezu seismographischen Werkzeug, die eigene "Klaue" zu entdecken, sich mit ihr anzufreunden und gar zu pflegen.

Zum Abschluss des 2.Teiles: Linie - Feder - Landschaft habe ich Ihnen erläutert, dass die in "Raum 1" gezeigten Methoden der Beobachtung von Raum und Verkürzung genau so auch über dem Horizont stattfinden:

1) Sie sollten entdeckt haben, dass es mit Hilfe einfacher Linienkonstruktionen möglich ist, sich eine Hilfskonstruktion für den Himmelsraum anzulegen, die den gleichen Prinzipien folgt, wie für die Landfläche. Da es sich hier nicht um mathematisch präzise Architekturzeichnung handelt, genügt ein Ungefähr, das die einfache Abnahme von Abständen im verkürzten Raum symbolisiert. Wir schaffen also lediglich eine ILLUSION von Raum in der Zeichenfläche.


Dazu eine Entschuldigung an den Montagskurs: Leider war ich etwas unkonzentriert und habe dadurch die Sache unnötig verkompliziert...

Hier also nochmal das einfache Rezept:

1) Es geht darum, eine einfache plausible Verkürzung zu konstruieren, die nur einen Anhaltspunkt für das Immerkleinerwerden von Objekten (Wolken z.B.) gibt. Dazu teilen Sie den oberen Bildrand in beliebig viele gleichgrosse Teile. Die Schnittpunkte verbinden Sie mit einem Schnittpunkt der tiefgelegten Horizontlinie und dem Blattrand, links oder rechts ist egal. Eine von der oberen linken oder rechten Blattecke dazu schräg angelegte und in das Blatt reichende Linie schneidet die Strahlen so, dass Sie am Rand eine Folge von Punkten erzeugen, die sich zum Horizont zu immer mehr nähern. Diese Punkte sind einfache Hilfspunkte für eine plausible Verkleinerung - mehr nicht. Je diagonaler Sie die kreuzende Linie anlegen, umso mehr Punkte erhalten Sie, was die Sache aber unnötig verkompliziert.

2) Eine weitere, noch einfachere, weil praktische Methode finden sie, indem Sie je eine Schnur auf einem Punkt des Horizonts - in er Regel ausserhalb des Zeichenblattes! - befestigen (Handwerker kennen das als "Schnurschlag"). Diese Punkte markieren sog. Fluchtpunkte, mit denen Sie experimentieren sollten. Sie werden feststellen, dass so extreme oder plausible Räume entstehen, je nach Wahl des Fluchtpunktes. Führen Sie die Fäden gegeneinander über Kreuz und Sie erhalten jeden beliebigen Schnittpunkt im illusionären Raum.
Mir ging es hierbei nicht um präzise fliegende Bauten, sondern darum, dass Sie mit einfachen Hilfslinien Anhaltspunkte für eine in er Natur oft irritierend komplexe Ansicht erhalten. Das Kontruktionsgerüst ist lediglich eine Ordnungshilfe!


Ein weiteres Element der Beobachtung beim Zeichnen von Wolken ist die Beobachtung, dass eine Abstufung von Grauwerten die Illusion von Raum unterstützt. Wir haben dieses Phänomen schon im Zusammenhang mit der sog. Luftperspektive behandelt.







Warmups:

1) "Erfindung des Kisten-Himmels".
Mit Hilfe der Fäden konstruieren Sie Schnittpunkte für fliegende Kisten.

2) "Erfindung des Kugelhimmels".
Im zweiten Schritt lösen Sie die linearen Konturen in Richtung Gebogene auf. Bedenken Sie dabei die Überschneidungen der Kugelhaufen.


Übung und Hausaufgabe:

"Erfindung des Himmels"
Wie oben beginnen Sie eine Bleistift-Hilfskonstruktion, die Sie mit Feder und Lavierung in eine einigermassen plausible fliegende Wolkenlandschaft verwandeln. Fantastische Figuration ist durchaus möglich. Es muss keine meteorologisch korrekte Wolkenarchitektur sein.
Lassen Sie die Phantasie los!


Resultate der vergangenen Stunde und Hausaufgaben:























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