2. Teil des Jahreskurses "Menschen zeichnen" - FIGUR
4. März 2013 - 15.Juli 2013
Montag, 11.3.13 - Spieleabend Teil 1 - Die Energie der Linie
Die Stunden am 11. und 18.3. haben zum Ziel, spielerisch und locker alle (oder zumindest fast alle) Herangehensweisen an das Zeichnen von Menschen noch einmal Revue passieren zu lassen.
Im vergangenen Teil "KOPF" ist passenderweise sehr stark das "Kopflastige" des traditionell "richtigen Zeichnens" sehr im Vordergrund gewesen, bei dem die bewährten und bekannten Methoden des akademischen Zeichnen geübt wurden.
Besucht man einen Zeichenkurs an der VHS oder sonstwo, ist es das, was man sich auch üblicherweise vom Zeichnenlernen verspricht: Regeln, Proportionskanon, Messen, Anatomie, allgemeine Merkmale ermitteln, Techniken kennenlernen und anwenden usw. Das haben wir ausführlich, auch mit guten und überraschenden Resultaten erledigt - aber: Das ist noch längst nicht alles und bei weitem an sich nicht künstlerisches Zeichnen, sondern eher Handwerk. Dass man das lernen kann, hat der Kurs in Ansätzen bis dahin vorgeführt. Alles Vermittelte ist also weiterhin gültig und kann uns eine Hilfe sein, den eigenen Weg zum persönlichen Ausdruck zu gehen oder auf der anderen Seite ein Ansatz dazu, das akademische, also das Zeichnen "wie echt", bis zum beinahe fotorealistischen Portrait weiterzuentwickeln. ( Ob es sich aber dabei dann um Kunst handelt, soll jeder für sich selbst entscheiden...ihr merkt hier allerdings meinen Vorbehalt, den ich versuche, im Unterricht zu neutralisieren, aber verzeiht gelegentliche tourettes - http://de.wikipedia.org/wiki/Tourette-Syndrom - gegen die Fotorealisten)
Es gibt noch mehr zu entdecken.
Die "Spiele" der beiden Abende vor den Osterferien sollen das noch einmal vor Augen führen, was wir seit der ersten Stunde 2011 als ZEICHNEN kennengelernt haben. Angeregt durch Thomas Lüchingers Arbeit und Workshops (Buch: Intuitiv zeichnen - Sehen mit allen Sinnen, Zytglogge Werkbuch) sollen die geplanten 8 - 10 Spielstationen noch einmal in Erinnerung rufen, welche Möglichkeiten, Energien, Herangehensweisen schon in uns jenseits des kulturell "Richtigen" schlummern und unser Zeichnen formen, prägen und mit persönlichem Ausdruck ausstatten - und darum geht es beim Zeichnen - es sei denn, man möchte ein Foto-Apparat werden statt ein lebendiges Wesen...
Spieleabend 1, 11.3.13:
Ich habe zu Beginn eine kurze (..hm, knapp 30 Min. ist für mich kurz ;-) ) Einführung gegeben, in der ich die starke Polarität des persönlichen Erlebens einerseits (Stichworte: Rein motorisches Agieren, Emotion, Sinne, Impression, Empathie, Seismographik, Berührung, Blindzeichnen) gegen die kulturell akzeptierten (aber auch eigentlich schon abgelegten) "Regeln" des Richtigen stellte. Kurz gefasst geht es in meinem Unterricht darum, diese Polarität zu erleben und sehen und seinen eigenen Weg darin zu suchen, der u. U. auch in einem Balanceakt in der Mitte bestehen kann...oder auch in einem Entschluss, eine Seite temporär verstärkt zu untersuchen.
Die Spieleabende kreisen nun verstärkt um diese andere Seite des Zeichnens, also den Pol des Zeichnens, der um Vermögen kreist, die wir alle schon von "Natur" her mitbringen - und leider in uns selbst oft als weniger Wert und qualitativ minderwertig erachten. Dabei zeigt sich doch gerade hier das Einzige, Eigene, das Persönliche , kurzum das, was eigentlich wirklich unsere Entwicklung trägt: AUTHENTIZITÄT.
(Wenn man so will, die realere Gegenform des "wie echt" der verschiedenen (Foto)Realismen...)
Das Zeichnen macht das Sehen sichtbar:
Spiel 1:
Das Sehen ist ein komplexer Vorgang, den man mit den folgenden Übungen annähernd sichtbar machen kann. Dazu muss man sich anfangs mit einigen "Tricks" überlisten.
In der ersten Übung haben wir das mit Hilfe einer Monotypie versucht. Ein mit Linoldruckfarbe schwarz oder farbig eingefärbter A4-Karton (Glasplatte, Linoleum, Acryl etc. gehen auch), wird in ein hälftig gefaltetes A3-Blatt so eingelegt, dass man auf der bedeckenden Seite leicht zeichnen kann. Bitte nicht aufpressen oder glattstreichen, da die Farbe sofort auch nur durch leichten Druck abfärbt.
- Erster Schritt:
Eine Frontalpose-Gesichtsausschnitt in A4 wird darauf aufgelegt, man fährt mit einem Pinselstiel oder der andern Seite des Bleistifts locker, tanzend, skribbelnd die Einzelheiten des Gesichts (Augen, Nase, Mund, Kinn, Haaransatz) nach, versucht aber dabei nicht abzusetzen und das Zusammenspiel der Einzelheiten zu erfassen.
Es entsteht der Abdruck der Reise durch das Gesicht.
- Zweiter Schritt:
Nun legt man die Vorlage auf die Seite, heftet seinen Blick darauf und übersetzt die Blickwege auf das leere Blatt.
- Dritter Schritt:
Man zeichnet jetzt nur noch blind auf das leere und auf die Druckplatte aufgelegte Blatt mit einem Pinselstiel, der keine Spur abgibt. Reiner Blindflug, der zeigt, was man verinnerlicht hat!
Die zufälligen Grauwerte sind intentional und spielen der Zeichnung noch eine weitere, räumliche Qualität bei.
Spiel 2:
Im Prinzip wie das erste Spiel, nur dieses mal zeichneten wir eine Frontalpose des ganzen Kopfes (Vorlage aus "Heads" - Fotographien von New Yorker Männern und Frauen mit Glatze...),
nachdem wir uns darauf eine minimale Anleitung aus einer Proportionsfigur skizzierten.
Die Proportionsskizze half dabei, die wesentlichen Grössen und Platzierungen zu identifiziern:
Vertikale von Scheitel zu Kinn, Mittelachse waagerecht, auf der die Augenpupillen aufliegen, 5 Augen ist die Breite, 1 Grosser Kreis markiert den oberen Schädel, am Fuß dessen der Nasenansatz, schneidet 1 kleinen Kreis, der vom Kinn zur Mittelachse reicht, 1/3 unter dem Nasenansatz der Mund.
- Erster Schritt:
Diesen Bauplan zeichneten wir mit dem Pinselstiel durch die Vorlage durch.
- Zweiter Schritt:
Bauplan und Einzelheiten mit aufgelegter Vorlage in einem Zug skribbeln.
- Dritter Schritt:
Vorlagen der Proportionsskizze und des Kopfes zur Seite legen und Blick darauf heftend blind auf leeres Blatt skribbeln.
- Vierter Schritt:
Köpfe frei skribbelnd erfinden, evtl. Zutaten erfinden: Haare, Ringe, Hörner, was immer einfällt.
Ergebnisse:
Mit diesen Spielen sind wir erst einmal bei der freien spielerischen persönlichen Linie, die Schritt für Schritt Kontakt mit dem beobachtenden Auge knüpft.
Es ist dabei wichtiger zu fragen, was das, was man sieht tut, als das, wie es nun exakt aussieht. (Erinnerung an Picassos Stravinsky auf dem Kopf des ersten Semesters, bei dem es genau darum geht: Was tut die Linie, wie biegt sie sich, was macht sie, ist sie rund, eckig, gerade, zittrig, fest? usw. ...)
Die folgenden Spiele am 18.3. werden sich genau darum drehen, diesen sinnlichen Kontakt zu üben, indem wir versuchen, eine Verbindung zwischen Auge und Zeichenhand/stift herzustellen.
Lüchinger nennt dies: Die Sensation der Berührung - besser gehts nicht!
"Hausaufgabe" bis nach den Osterferien:
Einfach alles aus dem ersten Semester nochmal lesen bzw. nachvollziehen, vom motorischen Skribbeln, den Möglichkeiten des Ausdrucks (legato, staccato, piano, fortissimo usw., "Das volle Orchester"), den ideomotorischen Zeichnungen ("stell dir vor, ein Vogelschwarm hebt ab, zeichne das, ohne die Vögel selbst zu zeichnen...") den Übungen zum Blindzeichnen (Betty Edwards Workbook hilft dabei auch...).
Wir werden diese Mittel bei unseren künftigen Explorationen des komplexen Menschenkörpers dringlich brauchen...oder ihr müsst jeden einzelnen Knochen beim Vornamen auswendig lernen ;-) ... aber wer will das schon - und wozu?
Spieleabend 1, 11.3.13:
Ich habe zu Beginn eine kurze (..hm, knapp 30 Min. ist für mich kurz ;-) ) Einführung gegeben, in der ich die starke Polarität des persönlichen Erlebens einerseits (Stichworte: Rein motorisches Agieren, Emotion, Sinne, Impression, Empathie, Seismographik, Berührung, Blindzeichnen) gegen die kulturell akzeptierten (aber auch eigentlich schon abgelegten) "Regeln" des Richtigen stellte. Kurz gefasst geht es in meinem Unterricht darum, diese Polarität zu erleben und sehen und seinen eigenen Weg darin zu suchen, der u. U. auch in einem Balanceakt in der Mitte bestehen kann...oder auch in einem Entschluss, eine Seite temporär verstärkt zu untersuchen.
(Wenn man so will, die realere Gegenform des "wie echt" der verschiedenen (Foto)Realismen...)
Das Zeichnen macht das Sehen sichtbar:
Spiel 1:
Das Sehen ist ein komplexer Vorgang, den man mit den folgenden Übungen annähernd sichtbar machen kann. Dazu muss man sich anfangs mit einigen "Tricks" überlisten.
In der ersten Übung haben wir das mit Hilfe einer Monotypie versucht. Ein mit Linoldruckfarbe schwarz oder farbig eingefärbter A4-Karton (Glasplatte, Linoleum, Acryl etc. gehen auch), wird in ein hälftig gefaltetes A3-Blatt so eingelegt, dass man auf der bedeckenden Seite leicht zeichnen kann. Bitte nicht aufpressen oder glattstreichen, da die Farbe sofort auch nur durch leichten Druck abfärbt.
- Erster Schritt:
Eine Frontalpose-Gesichtsausschnitt in A4 wird darauf aufgelegt, man fährt mit einem Pinselstiel oder der andern Seite des Bleistifts locker, tanzend, skribbelnd die Einzelheiten des Gesichts (Augen, Nase, Mund, Kinn, Haaransatz) nach, versucht aber dabei nicht abzusetzen und das Zusammenspiel der Einzelheiten zu erfassen.
Es entsteht der Abdruck der Reise durch das Gesicht.
- Zweiter Schritt:
Nun legt man die Vorlage auf die Seite, heftet seinen Blick darauf und übersetzt die Blickwege auf das leere Blatt.
- Dritter Schritt:
Man zeichnet jetzt nur noch blind auf das leere und auf die Druckplatte aufgelegte Blatt mit einem Pinselstiel, der keine Spur abgibt. Reiner Blindflug, der zeigt, was man verinnerlicht hat!
Die zufälligen Grauwerte sind intentional und spielen der Zeichnung noch eine weitere, räumliche Qualität bei.
Spiel 2:
Im Prinzip wie das erste Spiel, nur dieses mal zeichneten wir eine Frontalpose des ganzen Kopfes (Vorlage aus "Heads" - Fotographien von New Yorker Männern und Frauen mit Glatze...),
nachdem wir uns darauf eine minimale Anleitung aus einer Proportionsfigur skizzierten.
Die Proportionsskizze half dabei, die wesentlichen Grössen und Platzierungen zu identifiziern:
Vertikale von Scheitel zu Kinn, Mittelachse waagerecht, auf der die Augenpupillen aufliegen, 5 Augen ist die Breite, 1 Grosser Kreis markiert den oberen Schädel, am Fuß dessen der Nasenansatz, schneidet 1 kleinen Kreis, der vom Kinn zur Mittelachse reicht, 1/3 unter dem Nasenansatz der Mund.
- Erster Schritt:
Diesen Bauplan zeichneten wir mit dem Pinselstiel durch die Vorlage durch.
- Zweiter Schritt:
Bauplan und Einzelheiten mit aufgelegter Vorlage in einem Zug skribbeln.
- Dritter Schritt:
Vorlagen der Proportionsskizze und des Kopfes zur Seite legen und Blick darauf heftend blind auf leeres Blatt skribbeln.
- Vierter Schritt:
Köpfe frei skribbelnd erfinden, evtl. Zutaten erfinden: Haare, Ringe, Hörner, was immer einfällt.
Ergebnisse:
Mit diesen Spielen sind wir erst einmal bei der freien spielerischen persönlichen Linie, die Schritt für Schritt Kontakt mit dem beobachtenden Auge knüpft.
Es ist dabei wichtiger zu fragen, was das, was man sieht tut, als das, wie es nun exakt aussieht. (Erinnerung an Picassos Stravinsky auf dem Kopf des ersten Semesters, bei dem es genau darum geht: Was tut die Linie, wie biegt sie sich, was macht sie, ist sie rund, eckig, gerade, zittrig, fest? usw. ...)
Die folgenden Spiele am 18.3. werden sich genau darum drehen, diesen sinnlichen Kontakt zu üben, indem wir versuchen, eine Verbindung zwischen Auge und Zeichenhand/stift herzustellen.
Lüchinger nennt dies: Die Sensation der Berührung - besser gehts nicht!
"Hausaufgabe" bis nach den Osterferien:
Einfach alles aus dem ersten Semester nochmal lesen bzw. nachvollziehen, vom motorischen Skribbeln, den Möglichkeiten des Ausdrucks (legato, staccato, piano, fortissimo usw., "Das volle Orchester"), den ideomotorischen Zeichnungen ("stell dir vor, ein Vogelschwarm hebt ab, zeichne das, ohne die Vögel selbst zu zeichnen...") den Übungen zum Blindzeichnen (Betty Edwards Workbook hilft dabei auch...).
Wir werden diese Mittel bei unseren künftigen Explorationen des komplexen Menschenkörpers dringlich brauchen...oder ihr müsst jeden einzelnen Knochen beim Vornamen auswendig lernen ;-) ... aber wer will das schon - und wozu?






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