Dienstag, 30. April 2013

Figur, Gestisch IV - Bewegliche Massen: Schöner Stehen - 29.4.13

Folien des Abends:






Namen des Abends, kunsthistorisch geprüft und beglaubigt :






Vereinfachung:

Wir zeichnen zunächst nur die gedachten und krass vereinfachten, geometrisierten Umrisse der in sich wenig beweglichen Körperteile Brustkorb, Becken und Kopf, die aber zueinander in bestimmten Grenzen sehr beweglich sind. Hals und Bauch sollen als "Gelenke" gesehen werden, wie Knie, Armbeugen, Hand- und Fußgelenke!
Um die Beweglichkeit dieser Teile miteinander und gegeneinander zu begreifen, genügt es vorerst, diese als "Kisten" zu denken und deren Hauptachsen (Mittelachse von Kopf bis Schambein, Schulter und Beckenkamm oder gedachte Linie der Hüfte) miteinander beobachtend zu  vergleichen.




Hier ein Bildchen zur Klärung der Begriffe und Lage von Hüfte und Taille:
(100% gender free, rot Taille, grün Hüfte, hier tendenziell männlich)

Die Website, von der ich mir diese Abbildung borgte, ist unter figurkritischen Gesichtspunkten vielleicht interessant: BMI-Club 
(...was es nicht alles gibt...Körpermassenindexclub, darauf muss man erst mal kommen)







Aus: George B. Bridgman, Bridgman´s Complete Guide to Drawing from Life, NY 1920
Leider nur auf dem US Markt erhältlich. Expressiver Ansatz, sehr auf starke, ja dramatische Bewegungen fokussiert.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich spreche von "Massen" und meine aber auch tatsächlich die körperlichen Erscheinungen, die in der realen Welt in 3D vorliegen. Wenn wir diese zur Zeit nur frontal zeichnen, erscheinen diese also in 2 Dimensionen und damit als Flächen. Trotzdem meine ich die Massen im Raum.

Wir werden das, sobald wir in die 3 Dimensionen der Menschenzeichnung vordringen, deutlicher wahrnehmen, dass wir es hier mit auszubalancierenden Gewichten und Kräften im Raum, also Massen, zu tun haben.

Der zeichnerischen Vorstellung hilft es, wenn man in die Umrisse der "Kisten" hernach die eigentlich gemeinten Formen für Brustkorb, Becken und Kopf einträgt. 



Aber im ersten Schritt hilft es unbedingt, den jetzt zu begreifenden Sachverhalt der Achsverschiebungen und das Faszinosum der Balance im aufrechten Stand und Gang so einfach wie möglich und Schritt für Schritt zu betrachten.



Vorlagen aus Daucher, unbedingt zum Warmzeichnen geeignet. 

Das ab jetzt freie und dem persönlichen Stil überlassene Warmzeichnen dient bis zum Ende des Semesters dazu, sich mit Hilfe der bisher gezeigten Methoden und Vorlagen mit unterschiedlichen Linien- und Zeichenstilen immer wieder die Proportionen, Grössen- oder Mass(en)verhältnisse wiederholend klar zu machen. Wie beim Vokabellernen hilft hier nur Wiederholen, so oft es nur geht.
Die Zeichnungen sollen aber frei und locker mit persönlichem Duktus spielerisch (also nicht verkrampft auf die perfekten Proportionen starrend) die Teilungen und Rhythmen umspielen.
Es ist viel wichtiger, den Schwung und den "Groove" des Körpers als Ganzes zu fühlen und sehen, als eine akkurate Bauzeichnung anzufertigen.

Dazu Vorlagen aus Daucher verwenden, die gelernte Faltungsmethode und das Gliederpüppchen.
Letzteres in allen nur erdenklichen Lagen und Posen, immer wieder.



Vorläufig geht es erst einmal darum, die mit Pfeilen markierten Kräfte und Richtungen zu erkennen. Dazu vereinfachen wir die Zeichnung noch einmal wesentlich nur auf die nachzuspürenden Kräftebahnen und Bewegungskurven, die man geradezu zumindest innerlich "nachturnen" sollte. Linien wie aus Draht genügen völlig.
Es hilft, sich dabei zuzusprechen: "Das zieht von da her dahin, hier schwingt es hinüber und greift um, da stützt es und drückt darauf und verschiebt es dahin, deshalb muss es da gestützt werden...usw" - d.h. vergesst für einen Moment, dass ihr einen superkomplexen lebenden Menschen vor Augen habt und versucht ihn zu sehen, wie eine Baukastenfigur, die nicht einstürzen darf, also als ein dynamisiertes statisches Phänomen (was an sich ja wiederum widersinnig klingt, aber so ist Mensch halt...kann ich nix für.)

Schlösse sich eine ausufernde Reflexion des entwicklungsgeschichtlich aussergewöhnlichen Phänomens des aufrechten Ganges an. Das sollte uns künftig beim Zeichnen von Stehenden, Gehenden und später auch Sitzenden und Liegenden immer bewusst sein.

Wir werden künftig ab der nächsten Stunde mit einem erweiterten Zeichenritual diese sehr vereinfachten aber eminent wichtigen Beobachtungen üben.













Ergebnisse und Skribbels:






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