Montag, 6. Mai 2013

Figur, Gestisch V - aktiv/passiv, statisch/dynamisch - 6.5.13

Folien des Abends:

An diesem Abend waren wir nur zu viert, weshalb ich nur einen kleinen Teil des vorgesehenen Programms durchgenommen habe und den Schwerpunkt auf einige Details legte, die wir in der kommenden Stunde erneut und dann auch noch genauer betrachten werden.

Meine Planung vom Anfang des Jahres ist jetzt schon ein wenig aus der Spur, aber ich denke, es ist im Sinne aller Kursteilnehmer, wenn ich trotzdem erst fortfahre, wenn der größte Teil der Teilnehmer das Gefühl hat, sich die Sachverhalte einigermassen sicher angeeignet zu haben.



Vorläufig reicht es uns zu sehen und zu beobachten, was am Menschenkörper überhaupt und in welchem Umfang beweglich ist und wie es aussieht, wenn sich etwas verändert. Also: Wie es der Körper anstellt, aus der scheinbar mühelosen reinen Standposition in eine irgendwie sich anbahnende Bewegung zu geraten. Klingt banal, ist es an sich auch im Alltag, ist aber absolut und entwicklungsgeschichtlich betrachtet ein aussergewöhnlicher Vorgang, dessen Programm bis heute kaum rekonstruierbar ist und technisch nur wenig überzeugend simuliert werden kann, bei aller Anstrengung von KI oder AI...(Künstliche Intelligenz oder Artificial Intelligence).

Dem Zeichner aber sollte es zu denken geben. Jede Pose jedes Menschen zu jedem Zeitpunkt ist eine hochkomplexe Lösung der Aufgabe, gegeneinander in Grenzen bewegliche Gewichte ausbalanciert durch einen Raum zu bringen.
Phantastischer Alltag...

In der Stunde ging es darum, auf einfachste Weise mit "Strichmännchen" die beobachteten Standposen rein linear zu erfassen. 
Eine gute Vorbereitung für eine solche Zeichnung ist es, die jeweilige Pose für sich mit dem eigenen Körper nachzustellen und sich dann vorzustellen, wie man die betreffende Haltung einem Anderen mit Zeichensprache, Gesten beschreiben würde. Diese Hauptrichtungen der Bewegungen sollte man dann schnell und nur mit einer Linie auf das Blatt zeichnen. Im Mittelpunkt der Beobachtung standen vorerst nur die Achsen der Schulter und des Beckenkamms, die wir am Modell mit Klebeband markierten.
Es stellte sich heraus, dass das offenbar schwerer ist als angenommen...

Im ersten Schritt geht es um etwas so einfaches, dass uns unser permanenter Analysezwang wieder einmal massiv in die Parade fährt. Die Hauptgestalt, die Art, wie der Körper als Ganzes vor Augen steht und sich irgendwie streckt, beugt, duckt, bückt, brückt ist eine "Geste im Raum" und auch nur so erst einmal zu erfassen. Man macht sich hier das Zeichnerleben nur unnötig schwer, wenn man krampfhaft nach Achsen, Meßpunkten, Grössen usw. schaut. 
Es geht als erstes also nur um den Eindruck als Ganzes: Was tut das Modell? 

Erst im zweiten Schritt vollzieht der Zeichner eine erste Abstraktion, indem er nach der Richtung der "Hauptbauteile" schaut - dabei aber extrem vereinfacht, indem er für Rumpf, Kopf, Arme und Beine nur eine Kernlinie setzt. 
Jetzt erst wird der Blick auf die Richtung und Neigung der gedachten Achsen von Schulter und Becken wichtig, da diese uns einen Hinweis geben, wohin Gewichte neigen und Kräfte gehen, um Balance zu halten oder Bewegung anzugehen.

Wir werden diese Beobachtungen nächste Stunde noch einmal im Detail und Schritt für Schritt machen.









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