Donnerstag, 1. Dezember 2011

Teil 2 - 2.Std Federzeichnen/Landschaft - 28. und 29. 11.11

Diese Stunde stand unter der Schirmherrschaft des Malers und Zeichners

Vincent van Gogh (1853-90),

der so allseits bekannt ist, dass ich auf Details verzichtete und Ihnen nur nahelegen kann, den atemberaubend dichten Briefwechsel van Goghs mit seinem Bruder zu lesen, der Ihnen auch hinsichtlich mancher liebgewonnener Klischees einen anderen und neuen Blick auf einen der aussergewöhnlichsten Künstler geben kann. (z.B. hier)



Wir haben in der ersten Stunde dieses Teiles 2 unsere Werkzeuge und Mittel auf das  Allereinfachste reduziert und mit der Rohrfeder und wasserverdünnbaren Chinatusche die auch zugleich malerischste Methode der Federzeichnung an den Anfang gestellt.

Dass sich gerade auch die bedeutendsten Maler wie Rembrandt und van Gogh zu diesen Werkzeugen hingezogen fühlten und erstaunliche Arbeiten damit schufen, spricht für die Energie und Deutlichkeit  dieses Materials, die Sie vielleicht schon bei den ersten spielerischen Versuchen erlebten.

Hier gibt es kein Gepfriemel, kein Kleinklein, sondern klar, wuchtig, kräftig und selbstbewusst stehen die Linien, Striche und Zeichen da. Und die Addition der Zeichen über ein ganzes Zeichenblatt hinweg erzeugen gleich eine starke Wirkung aus der Dynamik der Zeichenspuren heraus.
Dem muss man allerdings auch gewachsen sein und das Zulassen lernen, was hier und jetzt entsteht. Was da steht, steht da. Das ist die eigentliche Übung hinter allen Bemühungen dieser Stunde.

Ich habe van Goghs Landschaftsarbeiten mit Rohrfeder in verdünnter bräunlicher Tusche deshalb gewählt, weil sie in ihrer beinahe rohen Energie und der auf den zweiten Blick erstaunlich einfachen und reduzierten Artikulation mitreissen können (aber nicht müssen, wie ich erfahren habe...).

Wie auch immer, diese Arbeiten van Goghs sehen Sie bitte allerdings nur als Anregungen, die blosse Kopie sollten Sie sich nur für Tage aufheben, an denen keinerlei kreativer Funke in Ihnen zu sein scheint...da kann eine Kopie dann schon wieder auf die Sprünge helfen.

Der gestalterische Schwerpunkt des zweiten Teils hat zum Zeichenanlass das Phänomen des weiten Raumes (Landschaft), im Schwerpunkt durch die Linie gestaltet, deren Bedingungen wir schon im ersten Semester untersuchten.

Zur Erinnerung:

1) Die Linienarten sind Gerade, Gebogene und Unregelmässige.

2) Die Linienqualitäten sind beschrieben in
- Artikulation (Legato versus Staccato),
- Dynamik (stark versus schwach) und
- Tempo (schnell versus langsam).

3) Die Funktion der Linie ist hier jetzt nicht vollständig darstellbar, vorläufig genügt es zu erinnern, dass die Linie an sich schon eine Abstraktion ist, indem mit dem Einsatz der Linie beim Zeichnen von Gegenständen in der Regel Grenzen markiert werden, die in der Beobachtung der Natur durch Unterscheidung verschiedener Stofflichkeiten, Materialien, Überschneidungen entstehen und zu Bewusstsein kommen.

Für den Augenblick ist festzuhalten, dass wir Linien einsetzen, um
- Körper gegeneinander abzugrenzen,
- Konturen festzuhalten,
- Konstruktionsmarkierungen und
- Bewegung bzw. Bewegungsrichtungen anzuzeigen, oder
- als Linie an sich, die innere, emotionale Vorgänge impulsiv oder von äusseren Eindrücken impressiv geleitet ausdrückt.


Warmups:

1) Spiel
Horizontale Linienschichtung, nach oben hin schütterer und zunehmend aufgelöster.
Spielen Sie alle möglichen Artikulationen, Tempi und Dynamik sowie alle Möglichkeiten "falschen" und "richtigen" Werkzeuggebrauchs durch. Die Liniendynamik bei der Rohrfederzeichnung kann zudem durch Variationen der Tuschedichte, Verdünnung also, gesteuert werden.
Ziel: Spielerisch Linie zu Bewusstsein bringen. Erleben und Sehen sie die Möglichkeiten der Materialien und schaffen sich dadurch ein Repertoire an Linienformen




2) Wilde Gewächse
Ich habe Ihnen ein Studienblatt van Goghs ausgeteilt, das im Gegensatz zu vielen anderen Arbeiten dieser Art erstaunlich offen, spielerisch, frei und geradezu "gegenstandslos" ist.


Sie sollten beobachten, aus welch relativ begrenztem Zeichenmaterial dieses Gewucher eigentlich gestaltet ist und für sich ähnliche Methoden entwickeln, aus einem kleinen Zeichenrepertoire ein Maximum an Möglichkeiten zu schaffen
Ziel: Erfindung und Spiel. Adaption eines Themas, das Sie zu einem eigenen umgestalten. Rhythmische Gliederung eines Zeichenblattes durch Verdichtung und Auflockerung von Zeichenstruktur und -textur.



3) Pseudo-Kopie einer Rohrfederzeichnung van Goghs
Eine der bekannteren Zeichnungen einer Provencelandschaft van Goghs bitte ich Sie, mit analytischem Blick zu betrachten und dabei auf das Zusammenspiel von Linie und Textur zu achten.


Analog zu diesen Beobachtungen zeichnen Sie Paraphrasen dieser Vorlage, die sich durchaus ganz vom Vorbild lösen dürfen.
Ziel: Weiterentwicklung der oben erkannten Elemente. Erkennen der Möglichkeit, den konstruktiven Bau einer Landschaftszeichnung für eigene Lösungen nutzen zu können durch Formen kreativer Adaption.




Arbeit der Stunde (Hausaufgabe):
Nutzen Sie alle Elemente der heutigen Stunde und zeichnen Sie (angeregt durch realen Anblick, Fotografie oder künstlerisches Vorbild) eine eigene Lösung einer Landschaftszeichnung im Stile der Rohrfederzeichnungen van Goghs.


Weitere Beispiele van Goghs:











Weitere Anregungen und Stichworte der Stunde:

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