Montag, 19. Dezember 2011

Teil 2 - 3.u.4.Std Federzeichnen/Landschaft - 5.-13.12.11

In diesem Block von 3 Unterrichtseinheiten geht es um eine erste Auseinandersetzung mit den Grundbegriffen des Landschaftszeichnens.

Ich erinnere Sie ab jetzt dauernd daran, dass der Zeichner eine Zeichnung zeichnet, keine Gegenstände! Die Gegenstände sind der Anlass für Ihre Zeichnung.

Mein Ziel ist es, Sie für die Prinzipien und Grundelemente der die Formen verursachenden Phänomene zu sensibilisieren. Einfacher gesagt, sollten Sie am Ende dafür die Augen öffnen, was eine Form der Natur und damit der betrachtbaren Umgebung verursacht. Die Phänomene sind an sich ja nicht sichtbar, werden aber durch die den Naturgesetzen gehorchenden Dinge der Welt dargestellt. Der Zeichner stellt diesen Phänomenen nach, wie etwa der Schwerkraft, den Formen der Erosion, den Wirkungen des Wetters, das Streben nach Licht, das Wachsen, die Balance von Kräften und Gewichten usw.

Wir sind auch im Umgang mit den Zeicheninstrumenten zu einem diffizileren Werkzeug übergegangen, der Stahlfeder.

Ich habe Ihnen eine japanische Zeichenfeder (G-Pen von Nikko) zur Verfügung gestellt, die bis heute in Japan in der Mangazeichung verwendet wird. Diese Federn sind sehr gut produzierte und präzis verwendbar. Sie reagieren auf den Druck der Hand ausreichend sensibel, zeichnen sowohl sehr fein, lassen aber auch grobe, starke Linien zu und passen sich der Zeichenhand optimal und elastisch an.

Hier ein typisches Beispiel für eine Manga-Zeichnung:


5./6.12.2011:

Aufgabe und Ziel dieses Tages war es, mit der Stahlfeder erste Bekanntschaft zu schliessen und anhand der auf dem Tisch ausgestellten Naturobjekte (Steine, Hölzer, Muscheln, Petersilie!) mit Hilfe der bereits bekannten Verfahren Strukturen und Texturen aus der Beobachtung der Naturfundstücke zu entwickeln.


Der Fundus aus dem ersten Semester ist hier hilfreich:

- Der Linientyp der unregelmässigen Linie (Sehen Sie den Unterschied von regelmässigen und unregelmässigen Unregelmässigen!)
- Das Blindzeichnen, insbesondere bei komplizierten Umrissen
- Das Zeichnen des Negativen Raumes
- Linienverdichtung und -auflockerung
- Addition von kleinen Strukturelementen (erinnern Sie sich an die Mikrobenkriege und Märchenblüten)

Warmups:

- Kritzeln Sie zur Auflockerung ein Blatt voll mit zittrigen Linien, so lange, bis das Blatt fast schwarz ist - dann sind Sie locker genug für die folgende Übung.

- Blindzeichnung eines Bündels Petersilie (Teile oder Ganzes). Denken Sie an die Möglichkeiten des Konturzeichnens aussenherum und durch eine Struktur hindurch. Erinnern Sie sich an die Methode, den negativen Raum zu sehen, m.a.W. zeichnen Sie die Löcher, statt die Petersilie.

- So auch mit einem Stein oder Steinhaufen.

Bei beiden Warum's geht es darum, Strukturunterschiede zu beobachten. Was macht das Steinige aus und wie unterscheidet sich die Linie, die eine botanische Struktur wiederzugeben versucht?

Übung des Abends:
Wald aus Petersilie, nur mit der Feder!

Hausaufgabe:
Beide Linienarten zu einer fantasierten Landschaft kombinieren, die aus Stock, Stein und Strauch besteht.

Ergebnisse:















12./13.12.2011:



Wir haben uns diese Mal genauer mit Steinen befasst. Mir ging es darum, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass kein Stein dem anderen gleicht, dass Sie grosse Unterschiede in der Art sehen, wie die Beschaffenheit, Härte bzw. Weichheit des Materials und die vielfältigen äusseren Einwirkungen die Gestalt prägen.

Das Thema war hierbei, mit der Zeichenfeder das Phänomen der Erosion nachzustellen.
Der grosse Pfeil der Tafelaufzeichnung gibt die Hauptrichtung an: Die Schwere, die Schwerkraft, das Sinken, Fallen, Zerfallen.

Beeindruckende Fremdwörter (Anorganisches, Amorphes, Erosion, Entropie) sowie einen extrem komprimierten Grundkurs in Geologie haben wir leicht gestreift. Ich kann Sie nur ermuntern, das auf eigene Faust weiter zu vertiefen, was wir hierbei nur angerissen haben.

Insgeheimes Oberthema heute also war, dem scheinbar Amorphen Gestalt zu geben und dabei zu beobachten, wie es sich äussert, wenn Materie sich selbst und den Kräften der Natur passiv ausgesetzt ist, dass alles dabei die Tendenz zur Unordnung trägt und ausdrückt (Entropie), dass die Formen der Erosion die jeweilige Gewalt von Hitze und/oder Kälte, die Stetigkeit des Wassers und Windes ausdrücken und abbilden, was an manchen Stellen der Erde zu gewaltigen und mitunter bizarren Landschaftsformen führt (Utah, Arizona), was es aber bei genauerem Hinsehen auch in unserer Gegend oder wenigstens in der Pfalz (Buntsandstein) oder der Alb (Kalk) zu beobachten gibt. Gehen und schauen ist hilfreich...

Sie haben gelernt, dass Steine zu zeichnen absolut nicht einfach ist.

Baukasten Ihres Wissens und Könnens:
Neben dem oben genannten Fundus bauen wir heute besonders noch auf das Phänomen der Überschneidungen, die wir im ersten Semester anhand von Birnen z.B. genauer studiert haben. Es geht darum, dem Auge einen Anhaltspunkt zur räumlichen Ausdehnung und dem Hinter- und Nebeneinander zu geben.

Warmups:
- Spiel: Rissige, krustige, garstige Linienscharen abwärts, verdichtet.




- Studien eines einzigen Steines.
Hier ging es darum, sich wenigstens 2 unterschiedlich geformte Steine genauer anzuschauen, mit allen bekannten Methoden und diese mit der Feder zu zeichnen. Dabei ging es besonders um die räumliche Wirkung des Objekts (hilfreich ist es, sich zunächst blind zeichnend die gesamte Gestalt zu erschliessen und dann einige charakteristische Überschneidungen herauszuarbeiten.

Hier zwei Beispiele von mir:




Übung:
Aus Daucher S.140-165 habe ich Ihnen einige Anregungen gegeben, wie Sie das Zeichenproblem "Steinhaufen" angehen können. Hier geht es darum, Kürzel für Überschneidungen und eine plausible Form der Zusammenfassung von Massen durch verschiedene Schraffurmethoden zu erreichen.

Hausaufgabe:
- Zeichnen Sie "Steinland", egal wie, abstrakt, konkret, fantastisch, oder bei Altdorfer ausgeliehen - wie auch immer, Hauptsache, es geht erodiert im Raum zu....

Ergebnisse:

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