in Eigenregie das methodische Aneignen eines komplexeren Sachverhalts zu üben.
Der Sachverhalt des Abends galt den Bedingungen des Stehens, mit Konzentration auf den Fuß.
Ich hatte dazu alle möglichen Materialien zur Verfügung gestellt: Draht, Knete, Modelle, Giederpuppen, Bücher, Ausdrucke (Vorlagen aus der academie francais), Zeichnung von Leonardo bis Gegenwart, Anatomieatlanten, 3D Modell auf iPad und an die Wand gebeamt - usw.
Vor allem ging es anhand des Themas darum, zu zeigen, dass jede einzelne der in den vergangenen Lehreinheiten vorgestellten Methoden für sich genommen zwar einen eigenen und damit speziellen Zugang zu einer Art von Beobachtung und dadurch auch eine spezielle Art der künstlerischen Umsetzung möglich macht. Dass aber alle durch einen Zeichner gehen sollten und von diesem angeeignet, erarbeitet, verarbeitet und miteinander in einem Lernprozess zusammengeführt werden können - am Besten, in einer eigenständigen Adaption.
Der Abend hat diesen Prozess, der in der Realität über Wochen, Monate, Jahre gehen kann, in einem Parcours komprimiert. Ihr habt also ein sehr verdichtetes Beispiel erlebt, das ihr auf eure eigene Praxis und euren eigenen Rhythmus anpassen könnt.
Spezialisiert man sich für eine Weile nur in einem bestimmten Bereich, kann man sich ernsthaft und in aller Tiefe mit einem jeweils vollkommen kunstgemässen Ansatz an die Arbeit machen und kann getrost erst einmal alle anderen Angänge ignorieren. D.h. jeder der Ansätze kann zum "eigenen Ding" werden und alle anderen Ansätze nur als ergänzende Anregungen wahrnehmen. Immer gilt: Mach Dein Ding! Egal wie.
Zum Beispiel, indem man für eine Weile nur die Möglichkeiten des expressiven Zeichnens in allen Varianten durchspielt. Bis man spürt, dass es reicht und es nach etwas anderem verlangt. Das zu spüren, gehört zum künstlerischen Prozess.
Es sollte sich gezeigt haben, dass man sich alle im Laufe des Kurses demonstrierten, unterschiedlichen Zugänge zur Realität aneignen und miteinander konfrontierend kombinieren kann. Aber klar ist auch, dass sich die Ansätze auch wieder auf eine kreativ-spannungsvolle Weise widersprechen oder aneinander reiben. Das ist der Stoff, aus dem Kunst entstehen kann.
Kurz gesagt:
Der gestische (und damit körperliche, emotionale, motorische, unbewusste, spontane,...) Ansatz ist in keiner Weise im Sensorischen inbegriffen. Im Gegenteil, sie reiben sich aneinander.
Das Sensorische hat einen ganz anderen Angang und damit Realitätsbezug.
Und wiederum völlig anders ist der analytische Ansatz, der sich aus dem Fundus der Tradition und aus den Wissenschaften bedient und damit deutlich wissens- und kopfbestimmter ist.
Ziel für einen sich weiterentwickelnden Zeichner könnte es demnach sein, die Ergebnisse aus diesen unterschiedlichen Erfahrungen immer wieder neu zu befragen und die verschiedenen Angänge immer tiefer zu erkunden. Um sich dann aus diesem entwickelten Fundus je nach eigener Themenstellung zu bedienen. Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass sich die scheinbar widerstreitenden, verschiedenen Seh-, Arbeits- und Denkweisen im Laufe der Aneignung im Zeichnerhirn(herz ...) bei dauernder Anwendung wie von selbst weiterentwickeln und gegenseitig beeinflussen, ergänzen und im "Funkenflug" der mitunter starken Reibungen neue Sichten und Arbeitsweisen inspirieren können.
Die einzige Voraussetzung dafür aber ist es, dass man den Mut aufbringt, es auch zunehmend regelmässig damit aufzunehmen und die Ungemütlichkeiten des Lernens auszuhalten. Easy job, eigentlich...wers aber gemütlich haben will, ist klar im Nachteil.
Die Folien des Abends:
Schaut euch mal genauer an, wie Henry Moore auch als Zeichner an die Dinge herangeht , welche Rolle Funde, Dinge, Beobachtungen in der Natur und im Alltag bei ihm spielen.
Ist was für notorische Wald-, Strand- und Stadtgänger - und Sammler sowieso...






















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