Sonntag, 4. März 2012

3.Semester: Menschen zeichnen - Portrait: Frontalpose 1 - 27.2.12


Frontalpose 1: Abschluss Sehanleitung

Zu Beginn der Stunde und zum Auftakt des Semesters habe ich versucht, noch einmal schnell die als "Sehanleitung" gedachte Augenwanderkarte in das Gebiet des menschlichen Gesichtes an der Tafel zu zeichnen.
Schnell ist klar geworden, dass schnell relativ ist....;-)




Einige Bemerkungen zu dieser Anleitung:

- Bitte geraten Sie nicht in Versuchung, allzu präzise und perfekt konstruieren zu wollen. Das Ganze ist als Gedankenstütze und verborgene "Blaupause" für das Sehen und allmähliche Begreifen des Menschen gedacht und keine "Gesichtsbauanleitung", die mit Ingenieurspräzision ausgeführt werden muss.

Also: Je lockerer und frecher Sie darangehen, umso besser. Verschiebungen inklusive, denn nur so lernt man zu beurteilen, welche Über- oder Unterproportionierung welchen visuellen Ausdruck schafft.
Karikieren Sie! Übertreiben Sie, verzerren Sie die Maße! Zeichnen Sie nicht immer alles, sondern nur Teile, also: Schädeldecke zu Nase zu Ohr, oder Brauenlinie zu Auge zu Mund zu Gonion usw...

Mir geht es darum, dass man sich mit Hilfe dieser Grundkonstruktion nach und nach ein Bewusstsein über die Zusammenhänge, ungefähre Platzierung und einigermassen klare Grössenverhältnisse verschafft. Richtig wirksam wird dies ohnehin erst im Laufe des gesamten Semesters, indem wir diese Informationen dauernd zeichnerisch prüfend anwenden und damit erst allmählich zu Wissen machen.

Ziel ist also zunächst eher, das Wissen zu stützen, um dann besser zu Sehen, denn, man sieht oft nur, was man weiss...und das ist ein anhaltender Beurteilungsprozess.

Bei den Warmups spätestens ist sowieso klargeworden, dass man plötzlich zeichnet, als habe man noch nie etwas über diese Ordnungen und Zusammenhänge gewusst, weil einen der reale Anblick ob seiner Komplexität und individuellen Besonderheit plötzlich völlig überwältigt.
Das ist völlig normal! Und wird immer, immer Hürde bleiben - also am Besten, man legt sich rechtzeitig Strategien zurecht, dieser Aufregung und dem Gefühl von Blackout zu begegnen.
Wir werden nächste Woche einige davon kennenlernen.

Wir werden uns langsam aber sicher mit allen unseren mühsam erworbenen Möglichkeiten an das faszinierend komplexe Phänomen des menschlichen Kopfes herantasten - Rückfälle in Frühstadien des Zeichnens eingeschlossen! Sie sind Absicht.


Einiges sollte aber klar werden:

- dass man, wenn man den Zusammenhang einmal begriffen hat, fast von jedem Punkt aus einen Kopf einigermassen realistisch in den Maßen und Zusammenhängen zumindest wiedergeben kann. D.h man kann nach und nach stereotype Fixierungen auf Augen oder Mund oder Nase oder egal was ablegen, da man entweder vom Kinn her oder Scheitel oder einem Ohr aus das Gesicht einigermassen stimmig konstruieren kann. Wer sich das bereits zutraut, kann es üben, Frontalansichten von jedem beliebigen Punkt aus zu zeichnen.

- dass es einige Punkte gibt, die der Aufmerksamkeit oft entgehen, die aber, wenn sie nicht richtig erfasst sind auch die beste Beobachtung von Einzelheiten irgendwie unstimmig erscheinen lassen:
wie z.B. Gonion, Brauenlinie, Ansatz des Schläfenbeins, Lage und Richtung des Jochbeins, Grösse des Kinns oder der Stirn...

- zu entwickelndes "Feeling" für Variables: Ohren, Haaransatz (Haare sowieso, aber das ist ein weites Feld, das wir später beackern),  Lage der Wangenknochen, die sehr individuelle Ausprägung oder "Weichzeichnung" der Kinnlinie und allerlei andere Spielarten und Wirkungen der Schwerkraft...


Warmups und Übungen:

In den nächsten Stunden geht es darum, dass wir reaktivieren, was wir bereits kennen:
Blindzeichnen (Bitte Betty Edwards Buch wieder hervorkramen, wer es hat...).
Konturen zeichnen, Umrisszeichnung, Negativer Raum.
Das Messen.
3Din2D -Verwandlung: Überschneidungen, Volumen sehen und zeichnen.
- kurzum, alles, was wir im Jahreskurs gelernt haben.

Thema der praktischen Arbeit des Abends :
Allmähliches Eingrooven ins Menschenzeichnen als Ganzes.

BLINDZEICHNEN
10 x 1 Minuten-Posen von Stehenden und Sitzenden.
Brustbilder

...und da wir beim Rekapitulieren der Konstruktion so viel Zeit verbrauchten, war es das für diesen Abend schon. Trotzdem gut, hoffe ich.


Hausaufgabe: 


- Skribbeln ohne Ende von Frontalansichten, mal locker, mal konzentriert auf die proportionalen Verhältnisse. Mein und Ihr Ziel sollte sein, mal eben schnell in wenigen Minuten x dieser Frontalposen auf ein Blatt zu skribbeln.

- Sammeln von Fotos von Frontalansichten.

- Nachzeichnen von Abbildungen aller Art von Frontalposen aus Daucher bis Stern mit Schwerpunkt auf charakteristische Platzierung der Einzelheiten, NUR PLATZIERUNG! BITTE NACH WIE VOR NICHT DIE EINZELHEITEN ZEICHNEN - dahin kommen wir noch!

2 Kommentare:

  1. Hallo Ihr Fleißigen. Möchte mal die Kommentarfunktion testen.Viel Spaß bei Euren Versuchen.

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  2. Hallo Anonymous, geht doch! Freut mich, wenn hier mal Leben in die Bude kommt...
    Gruss
    Anonym

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